Der Samojede
Wenn uns jemand fragt, was für eine Rasse unsere Hunde denn eigentlich sind, folgt auf die Antwort "Samojede" meist ein verwirrter Gesichtsausdruck. Um Ihnen dann etwas weiter zu helfen, ergänzen wir gerne, dass es ein Schlittenhund ist, wie zum Beispiel der Husky, weil die meisten Leute damit tatsächlich etwas anfangen können. Aber auch wenn die Aussage schon stimmt, vermittelt sie sicher nicht vollständig, was einen Samojeden wirklich ausmacht.
Denn unter den Schlittenhunden ist der Samojede wohl der Vielfältigste, er gilt sozusagen als Allrounder. Dabei gibt es auch durchaus einige Rasseliebhaber, die den Fokus gerne mehr auf der Zugarbeit sehen würden, aber die Vielseitigkeit des Samojeden ist nicht nur eine Modeerscheinung der Neuzeit.
Schon bei den Nomadenvölkern Westsibiriens wurden die Vorfahren unserer heutigen Samojeden sehr vielfältig eingesetzt, sie hüteten Rentiere, waren Jagdgefährten und Bettwärmer, galten als vollwertige Mitglieder ihrer Familie und manchmal wurden sie eben auch vor die Schlitten gespannt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Exemplare nach England gebracht und gezüchtet, 1909 folgte der erste Rassestandard. Dort, also beim britsichen Kennel Club, gehören sie bis heute nicht wie Siberian Husky der Working Group an, sondern der Pastoral Group, also den Hüte- und Herdenschutzhunden. Im FCI gehören sie zu der Gruppe 5 - Spitze und Hunde vom Urtyp, beim Amerikanischen Kennel Club (AKC) zur Working Group.
Auch bei der Größe sind sich die großen Zuchtvereine FCI, Kennel Club und AKC nicht einig. Hier in Österreich gilt der Standard vom FCI mit einer Widerristhöhe von 57cm für Rüden und 53cm für Hündinnen mit einer erlaubten Varianz von 3cm, die anderen Standards fordern etwas geringere Widerristhöhen.
Beim Aussehen sind sich die Standards bis auf Kleinigkeiten recht einig. Dunkle, mandelförmige Augen ergeben zusammen mit den leicht nach oben gebogenen, schwarzen Lefzen einen freundlichen und lebhaften Gesichtsausdruck - das typische Samojeden-Lächeln.
Die gut behaarten Ohren sollten aufrecht stehen und die Nase sollte schwarz pigmentiert sein, Winternasen sind aber sehr häufig und kein Fehler oder besorgniserregend. Dabei verliert der Nasenschwamm im Winter sein Pigment, wird zum Beispiel braun oder sogar rosa, und gewinnt im Sommer durch die Sonne wieder an Farbe, wobei selbst im Sommer die Nase meist nicht mehr ganz schwarz wird.
Der Körper ist harmonisch gebaut, mit einer über den Rücken getragenen Rute und einem dichten, weißen Fell. Creme und Biscuit Zeichnungen sind erlaubt bis erwünscht, diese gelten als wichtig für die Fellqualität, das Deckhaar soll nämlich nicht zu weich sein. Das starre Deckhaar bildet zusammen mit der weichen Unterwolle den perfekten Schutz vor Kälte und Nässe, was für jede nordische Hunderasse natürlich überlebenswichtig ist. Aber auch im Sommer kommt ein Samojede im Normalfall gut zu recht, dafür muss und soll der Samojede nicht geschoren werden! Nur Unterstützung in Form von Bürsten, Kämmen oder auch Blowern, sollte für das funktionale Fell eines Samojeden von Nöten sein.
Trotzdem ist Fellpflege bei einer Rasse mit solch dichten, langen Fell natürlich ein großes Thema, aber auch sehr individuell von Hund zu Hund unterschiedlich. In unserer Erfahrung ist es aber weniger aufwendig als es den Anschein macht. Es wird zum Beispiel oft angenommen, dass unsere Hunde häufig gebadet werden, um so weiß zu bleiben, dabei ist das Fell selbstreinigend. Sie dürfen auch gerne in Gatschlacken laufen - sobald sie trocken sind, sind sie wieder weiß.
So schön sie aber auch aussehen, was uns wirklich von der Rasse begeistert, ist ihr gutmütiges Wesen. Ihre Freundlichkeit gegenüber fremden Menschen und Hunden macht sie zu angenehmen Begleitern in allen Situationen, ob Cafebesuch oder Wanderung, Samojeden sind immer gerne dabei. Manche haben dafür leider Probleme mit dem Alleinebleiben, mit langsamer Gewöhnung sind ein paar Stunden im Normalfall aber kein Problem.
Generell sind nordische Hunde für ihre Eigenständigkeit bekannt, dies gilt auch für Samojeden. Man kann sie ermutigen, aber nicht zwingen etwas zu tun, bei ihrer Erziehung ist daher auch Geduld (und Humor) gefragt.
Laut Standard sollten sie nur wenig Jagdtrieb mit sich bringen, dies stimmt aber leider sicher nicht für alle Samojeden, trotzdem kann man sie durchaus in einem Haushalt mit anderen Kleintieren halten.
Samojeden können viele verschiedene Laute von sich geben und machen das auch gerne, sie sind sehr gesprächig. Sie brummen und grummeln, sie bellen laut und quietschig, manche jaulen, im Spiel können sie auch sehr gut knurren.
Als Wachhund eignen sie sich trotzdem nicht wirklich, jeder Einbrecher würde wohl freudig begrüßt werden, als Schutzhund sind sie gänzlich ungeeignet. Ansonsten sind viele Beschäftigungen durchaus denkbar, auch wenn Allrounder nicht bedeutet, dass sich jeder Samojede auch für jede Beschäftigung eignet oder daran Spaß hätte. Zugsport wäre natürlich am naheliegendsten und empfehlenswert.

